Du hast eine alte Geige geerbt, auf dem Dachboden gefunden oder willst dein Instrument endlich richtig versichern? Dann stellt sich schnell die Frage: Was ist sie wert – und was kostet es eigentlich, das herausfinden zu lassen? Die kurze Antwort: zwischen 0 € und mehreren hundert Euro, bei sehr wertvollen Instrumenten auch deutlich mehr. Entscheidend ist, welche Art von Schätzung du brauchst. Hier bekommst du den ehrlichen Überblick aus der Geigenbauwerkstatt.
| Art der Schätzung | Typische Kosten | Wofür geeignet |
|---|---|---|
| Mündliche Wertauskunft | kostenlos bis ca. 50 € | Erste Orientierung: Lohnt sich Reparatur oder Verkauf? |
| Schriftliches Wertgutachten | ca. 150–300 € pauschal oder 3–5 % vom Schätzwert | Versicherung, Verkauf, Erbschaft |
| Expertise / Echtheitszertifikat | meist prozentual vom Wert, oft vierstellig | Wertvolle Meisterinstrumente, Handel, Auktion |
| Gutachten eines öffentlich bestellten Sachverständigen | nach Zeitaufwand, schnell vierstellig | Gericht, Streitfall, Schadensregulierung |
Die Werte sind Richtwerte aus öffentlich einsehbaren Preislisten deutscher Geigenbauwerkstätten (Stand 2026). Viele Werkstätten nennen Preise zuzüglich Mehrwertsteuer – frag immer vorher nach dem genauen Betrag.
Für die meisten Geigen ist das der richtige erste Schritt. Du bringst dein Instrument in eine Geigenbauwerkstatt, der Geigenbauer schaut es sich an und sagt dir, grob woher es stammt, in welchem Zustand es ist und in welcher Preisklasse es liegt.
Kosten: Manche Werkstätten machen das kostenlos, vor allem wenn daraus eine Reparatur entsteht. Andere verlangen eine kleine Pauschale – öffentlich ausgeschriebene Preise liegen etwa bei 35 € zuzüglich Mehrwertsteuer. Wird kein Auftrag erteilt, berechnen manche Werkstätten eine geringe Servicegebühr je nach Zeitaufwand.
Gut zu wissen: Eine mündliche Auskunft ist eine Einschätzung, kein Dokument. Für die Versicherung reicht sie in der Regel nicht.
Wenn du deine Geige versichern, verkaufen oder im Rahmen einer Erbschaft bewerten lassen willst, brauchst du ein schriftliches Wertgutachten. Darin werden das Instrument beschrieben, der Zustand dokumentiert, die Herkunft – soweit möglich – eingeordnet und ein Wert genannt.
Bei den Preisen gibt es zwei gängige Modelle:
Rechenbeispiel prozentual:
Du siehst: Bei günstigeren Instrumenten ist das Prozentmodell oft billiger, bei wertvollen Geigen die Pauschale. Frag deshalb vor dem Auftrag, wie abgerechnet wird. Rechne außerdem damit, dass dein Instrument für die Begutachtung ein bis zwei Tage in der Werkstatt bleibt.
Steht ein bekannter Name im Zettel und besteht eine echte Chance, dass das Instrument von einem bedeutenden Meister stammt, geht es um mehr als einen Schätzwert. Eine Expertise bestätigt die Echtheit und prüft, ob die wesentlichen Teile – Decke, Boden, Zargen, Schnecke, Lack – original zusammengehören.
Weil das viel Erfahrung, Vergleichsmaterial und Zeit erfordert, sind Zertifikate deutlich teurer als ein normales Wertgutachten und richten sich fast immer nach dem Wert des Instruments. Wichtig: Der Wert einer Expertise hängt stark vom Ruf des Experten ab. Bei sehr hochpreisigen Instrumenten zählt im Handel oft nur das Zertifikat weniger, international anerkannter Spezialisten.
Brauchst du ein Gutachten für ein Gerichtsverfahren oder eine strittige Schadensregulierung, ist ein öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger die richtige Adresse. Du findest ihn über die Sachverständigenverzeichnisse der Handwerkskammern und IHKs. Bei privater Beauftragung wird das Honorar frei vereinbart und meist nach Stunden abgerechnet. Solche Gutachten sind aufwendig – plane hier eher mit einem vierstelligen Betrag.
Ein Zettel mit „Antonius Stradiuarius Cremonensis“ ist der häufigste Grund für Hoffnung – und meistens für Enttäuschung. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert wurden in Manufakturen, etwa in Sachsen und Böhmen, riesige Stückzahlen von Geigen gebaut und mit Kopien berühmter Zettel versehen. Das war damals keine Fälschungsabsicht, sondern ein Hinweis auf das Modell, nach dem gebaut wurde.
Das heißt aber nicht, dass deine Geige wertlos ist. Viele dieser Instrumente klingen gut und sind – fachgerecht eingestellt – wunderbare Begleiter. Ein Geigenbauer erkennt meist schon nach wenigen Minuten, in welche Richtung es geht.
Eine grobe Einordnung per Foto ist manchmal möglich, ersetzt aber keine Begutachtung in der Hand. Lackstruktur, Holz, Wölbung und Innenleben lassen sich auf Bildern nur begrenzt beurteilen. Für Versicherung und Verkauf brauchst du immer eine persönliche Begutachtung.
Ein festes Ablaufdatum gibt es nicht, aber Marktpreise ändern sich. Viele Versicherer erwarten nach einigen Jahren eine aktualisierte Bewertung – frag am besten bei deiner Versicherung nach.
Nein. Ein Versicherungswert orientiert sich meist am Wiederbeschaffungswert im Fachhandel. Beim Privatverkauf erzielst du oft weniger. Lass dir erklären, welcher Wert im Gutachten gemeint ist.
Ein schriftliches Gutachten meist nicht. Eine kurze mündliche Auskunft dagegen schon – vor allem, wenn du entscheiden willst, ob sich eine Reparatur noch rechnet.
Eine Geige schätzen zu lassen muss nicht teuer sein. Für die erste Orientierung reicht fast immer eine mündliche Wertauskunft beim Geigenbauer – oft kostenlos oder für eine kleine Gebühr. Ein schriftliches Gutachten für die Versicherung kostet typischerweise zwischen 150 und 300 € oder einige Prozent des Schätzwertes. Nur wenn es um Echtheit, Gericht oder sehr hohe Werte geht, wird es deutlich teurer.
In unserer Werkstatt in Effeltrich reparieren und stellen wir Streichinstrumente aller Hersteller ein – vom geerbten Familienstück bis zum Konzertinstrument. Wenn du wissen willst, ob sich eine Reparatur deiner Geige lohnt, ruf einfach an unter +49 160 4989641 oder vereinbare einen Termin in der Werkstatt.
Klaus Heffler · Geigenbau seit 1985
Entdecke die Welt des Geigenbaus: Ratgeber aus der Werkstatt von Klaus Heffler – mit spannenden Einblicken und praktischen Tipps rund um dein Instrument.